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Notocactus ottonis am Strand von Marambaia

Von Konrad Herm

Notocactus ottonis am Strand von Marambaia in Brasilien

Von den Dünen bedroht

Notokakteen wachsen fast immer auf dem Campo, besser bekannt unter dem Namen Pampa,  wie man die fast endlose Grassteppe im südlichsten brasilianischen Bundessataat Rio Grande do Sul, in Uruguay und in den angrenzenden Gegenden Argentiniens nennt. Einige wenige Taxa wachsen auch in steilen, unzugänglichen Felswänden. Man kann auch andere Wuchsorte erleben, die genau vom Gegenteil zeigen

Es ist schon eine Weile her, seit wir diesen Wuchsort zum letzten Mal besucht haben und es kann durchaus sein, dass es diese Pflanzen gar nicht mehr gibt. Wenn dem so wäre, könnte zum einen die Bebauung der Grund sein. Marambeia war im Jahre 1991 ein kleiner Fischerort am atlantischen Ozean mit einem sehr sauberen Strand, an dem sich die einheimische Bevölkerung besonders an Weihnachten und Silvester in den wenigen Hotels erholt hat. Heute hat sich der kleine Ort Marambaia zu einem großen Touristenort gemausert, dessen Grenzen sich um ein Vielfaches erweitert haben. Neben dem Tourismus gab es schon damals eine weitere Bedrohung für die Kakteen, es waren die Wanderdünen, die schon während unseres Besuches im November 1991 diesen meist zehnrippigen Notocactus ottonis gefährdet haben.

Eher zufällig sind wir auf diesen Wuchsort gestoßen. Unsere eigentliche Kakteenreise zu ungewöhnlichen Kakteenwuchsoren in Uruguay, Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Parana und war fast schon beendet und unsere Reisegruppe schon auf der Rückreise, es gab noch ein paar Tage Zeit, diese wollte wir nutzen, um einige besonders schöne Wuchsorte aufzusuchen. Ganz oben auf unsere Liste stand der Parque Estadual de Vila Velha im Bundesstaat Parana, Wuchsort von Notocactus carambeiensis var. vila-velhensis. Auf der Rückfahrt nach Arroya da Secca, heute Imigrante, erinnerte sich unser brasilianischer Begleiter, dass er und seine Familie jedes Jahr Weihnachten und Silvester am Strand von Marambeia verbringen, dort habe er einen der ungewöhnlichsten Kakteenwuchsorte gesehen. Er musste es wissen, unser Begleiter war kein anderer als Kurt Ingo Horst, Sohn des bekannten Kakteenkenners Leopoldo Horst. Einen großen Umweg bedeutete der Besuch in Marambaia nicht.

Der Strand war fast menschenleer, als wir uns auf die Suche nach den Kakteen machten. Wir konnten es gar nicht glauben, dass wir in dieser Umgebung nach Kakteen suchen sollten. In der Nähe sahen wir schon die ersten Dünen, die mit Gras und Büschen bewachsen waren. Sogar kleinere Bäume konnte man sehen, d.h. nur die Baumkronen waren zu erkennen, die Stämme waren teilweise oder fast vom Sand bedeckt. In den Kronen der Bäume wuchs eine Maracuja spec., sehr dicke aber noch unreife Früchte hingen daran. Im Sand zwischen Gras stießen wir hin und wieder auf ein weiß blühendes Hippeastrum (Amaryllis) spec..

Im weiteren Verlauf wechselt der Sand allmählich seine Farbe und wird immer dunkler, der Grasbewuchs nahm zu. Hier fanden wir dann die ersten Notokakteen im Sand, einige Exemplare waren fast vom Sand verdeckt. Andere wiederum standen zwischen dem spärlichen Gras. Es gab Pflanzen die an den Rippen schwarze Narben aufwiesen, die darauf schließen ließen, dass das vertrocknete Gras abgebrannt ist. Im Hintergrund konnten wir in der Ferne die Aparados da Serra erkennen.

In einem Gespräch mit einem alten Fischer erfuhren wir, dass es hier schon immer Kakteen gegeben habe, die Dünen würden wandern und hin und wieder wären die Pflanzen mit Sand bedeckt.

Schon damals im Jahre 1991 bekam dieser Notocactus ottonis aff. die HU-Nummer  1492, aber erst mit Erscheinen der HU-Feldnummernliste (Uebelmann 1996) wurden die Pflanzen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. In der HU-Liste wird allerdings als Fundort Torres genannt, Marambeia liegt ca. 30 km südlich von Torres.

Literatur:

Uebelmann, W. (1996): Horst & Uebelmann Feldnummernliste. – Selbstverlag. Zufikon.

Konrad Herm, Wieslesweg 5, 76332 Bad Herrenalb, Deutschland

 

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